Kunsthaarfetisch

Was ist es, dass so eine Anziehungskraft auf mich hat? Die Finger kann ich kaum davonlassen.
So fand ich mich wieder unter den Blicken eines mir sehr werten Kollegen, als ich wohl über einen mir unbekannten Zeitraum hinweg tief versunken Strähnen-Puschel in Farbkarten streichelte.
Die Verwunderung über mein Verhalten war allgegenwärtig.
Da stellt sich mir die Frage, Fetisch oder Berufskrankheit?
Wie auch immer, die Haarsträhnen, für die viele Barbies Ihr Haupthaar spenden mussten, gehören genaustens inspiziert.
Zwischen Daumen und Zeigefinger im Licht gewendet. So jedenfalls mein zugegebenermaßen sonderliches Verhalten.
Dabei kann ich sie nicht mal richtig leiden.
Gemeint sind die Farbkarten, die so oft falschen Einsatz finden und damit zu Haartötenden Waffen werden.
Listig kommen sie daher. Durch Ihr verlockendes Antlitz erwecken sie Wünsche von unrealistischen Ausmaßen.
Luftschlösser gebettet auf Haaren.
Ausgehändigt ähnlich wie zu große Speisekarten in schlechten Restaurants, hier an ahnungslose Salonbesucher verteilt.
Was dann folgt, ist die Entscheidung des Kunden und die Bestellaufnahme des Friseurs. Einziger Vorteil, den ich erkennen kann, ist, dass dieser Vorgang auch pantomimisch möglich wäre.
Dann …
gewählt Tube aus dem Regal gegriffen, angerührt und drauf auf den Kopf des Entscheiders. Surprise! Das Resultat erinnert so gar nicht an den glänzenden Puschel.
Egal, schließlich hat der Kunde ja die Wahl gehabt 😉 Auch wenn ich vermute, dass für all die erwähnten Friseure jeder Rat zu spät kommt … Hier meine ungefragten Ratschläge.
Packt die Farbkarten zurück in die Mixecke.
Widmet die Zeit der „Speisenwahl“ lieber der Bestimmung des Istzustandes.
Spitzt die Ohren im Gespräch mit Eurem Gast und beratet realistisch.
Schlussendlich sind es doch nur Haarpuschel unterschieden in Tonhöhe und Reflex. Diese sollten auch ganz ohne Farbkarte einen Tanz vor unserem inneren Auge aufführen können.
Ein hoch auf die Fantasie.

Herzlichst Betta